Die Macht sozialer Beziehungen

Verbindung mit anderen gibt unserem Leben Sinn und Bedeutung

„Connection is why we’re here, it’s what gives us meaning and purpose in life“

Dieser Satz stammt von der amerikanischen Autorin Brené Brown. Auf deutsch lautet er in etwa: „Verbindungen sind der Grund, warum wir hier sind. Sie geben unserem Leben Bedeutung und Ziele“. Was genau meint sie damit? Eine der wichtigsten Quellen für unser Glück und unsere Zufriedenheit im Leben, sind soziale Beziehungen. Menschen haben das Bedürfnis sich auszutauschen, zusammenzuschließen und zu kooperieren.

Evolution durch Kooperation

Tatsächlich ist bereits der bekannte Evolutionstheoretiker Charles Darwin davon ausgegangen, dass Kooperation eine der wichtigsten Überlebensstrategien der Menschen ist. Das, was von Darwins Evolutionstheorie jedoch meist hängen bleibt ist „survival of the fittest“. Also im Grunde das genaue Gegenteil von Kooperation. Schade. Leider passt das vermeintliche, evolutionistische Überlebensmantra nur all zu gut in unsere Zeit, die manchmal sehr stark geprägt ist von Konkurrenz und Ellenbogentechnik, Neid und Eifersucht. Nur der Stärkste überlebt. Aber ganz ehrlich: stabile, bereichernde Beziehungen, seien es nun familiäre, freundschaftliche oder partnerschaftliche sind viel eher geprägt von Vertrauen, Sicherheit und Einfühlungsvermögen. Ganz allgemein gesagt: menschliche Zivilisation ohne Kooperation würde nicht existieren.

Was haben soziale Beziehungen mit Glück zu tun?

Die bekannten Psychologen Ed Diener und Martin E.P. Seligman gehen davon aus, dass Glück nicht ohne soziale Beziehungen funktioniert, soziale Beziehungen alleine, jedoch auch kein Garant für Zufriedenheit sind: „Social relationships form a necessary but not sufficient condition for high happiness – that is, they do not guarantee high happiness, but it does not appear to occur without them“, Diener & Seligman, 2002. Wir sehen: es ist kompliziert.

Soziale Beziehungen rufen positive Emotionen hervor

Es gibt eine Reihe von sozialwissenschaftlichen Studien, die nahelegen, dass stabile soziale Beziehungen unsere Zufriedenheit steigern. Nur kurz, zum besseren Verständnis, möchte ich drei dieser Studien erwähnen:

  • Diener/Seligman: Sie fanden heraus, dass glückliche Menschen sehr stabile soziale Beziehungen haben und wenig Zeit alleine verbringen.
  • Mihály Csíkszentmihályi: Der bekannte Flow-Forscher fand heraus, dass Austausch mit Freunden glücklich macht.
  • Dan Kahnemann: entwickelte mit der „day reconstruction method“, eine Methode, um positive Emotionen zu messen. Auch er fand heraus, dass Menschen während sie sich sozial austauschen einen Zustand der Zufriedenheit empfinden.

Glücksübung 2: Aktives Zuhören

Wie können wir nun unsere sozialen Beziehungen stärken? Ganz einfach: zB durch aktives Zuhören. Das kannst du sogar lernen. Es hilft dir dabei, mit anderen Menschen in Verbindung und Austausch zu treten. Nimm dir 15-30 Minuten dafür Zeit, in denen du mit einem Freund, Familienmitglied oder deinem Partner ganz bewusst kommunizierst. Suche jemanden aus, von dem du annimmst, dass sie/er es wertschätzt. Lade die Person ein, dir mitzuteilen, was ihr gerade durch den Kopf geht. Während dein Gegenüber spricht, versuche folgendes:

Aktives Zuhören

  • Umschreibe und interpretiere das, was dir gerade erzählt wurde, vor deinem Freund/deiner Freundin nochmals. Fasse zusammen und verwende dabei Formulierungen, wie etwa „verstehe ich dich richtig, wenn du XY sagst“, „Was ich heraus höre ist XY“, „das hört sich an wie XY“. Falls du dir nicht sicher bist, was dein Gegenüber sagen möchte, dann stelle einige Fragen, im richtigen Moment. Allerdings ohne zu unterbrechen.
  • Versuche ganz genau herauszufinden, was dir dein Freund/deine Freundin mitteilen möchte, indem du zB folgendermaßen nachfragst: „wenn du XY sagst, meinst du XY?“
  • Sei emphatisch: Wenn dein Gegenüber negative Gefühle oder Gedanken äußert, dann versuche herauszufinden, was dahinter steckt, allerdings ohne zu bewerten. Etwa so „ich habe den Eindruck, dass du frustriert bist.“
  • Bewusste Körpersprache:  Achte bewusst auf deine Körpersprache, lehne dich vor, zeige Offenheit und Interesse.
  • Bleibe mit deiner Aufmerksamkeit bei deinem Gesprächspartner. Lasse dein Handy liegen, konzentriere dich nur auf dein Gegenüber.
  • Auch wenn du eine andere Meinung hast, verurteile die Meinung des anderen nicht, höre zu und versuche zu verstehen.
  • Keine Ratschläge: manchmal ist es wichtiger einfach zuzuhören.
  • Frage, ob du deine Meinung dazu sagen darfst. Versuche immer in der „ich-Form“ zu sprechen, zeige also, was du darüber denkst, nicht jemand anderer.

Was ist das besondere an aktivem Zuhören?

Aktives Zuhören hilft dir dabei, die Perspektive des Anderen besser zu verstehen. Auch dein Gesprächspartner fühlt sich dann besser verstanden. Aktives Zuhören kann Beziehungen dauerhafter und befriedigender machen. Wirkt es wirklich? Ja, das tut es. Meine Erfahrung mit der Übung: Ich glaube, ich bin von Natur aus empathisch und eine gute Zuhörerin, daher war die Übung für mich auf den ersten Blick nicht so besonders. Ich dachte: so verhalte ich mich, bei vielen Unterhaltungen ohnedies. Was die Übung für mich speziell gemacht hat war, dass ich mir ganz bewusst vorgenommen habe, aktiv zuzuhören. Auch während des Zuhörens habe ich mir immer wieder ins Gedächtnis gerufen, die einzelnen Anregungen der Übung anzuwenden. Das ist gar nicht so einfach, da ich während eines Gespräches dann oft vergesse achtsam zu sein. Ich habe also ganz bewusst und achtsam zugehört.

Was wenn Socializing nicht gut läuft?

Eine Studie von Naomi Eisenberger zeigt, dass sich die Gehirnaktivitäten von Personen, die aktiv von Spielen ausgeschlossen werden, verändern. Es aktivieren sich nämlich die selben Gehirnregionen, die auch bei körperlichem Schmerz aktiv werden. Genauer gesagt handelt es sich hierbei um Aktivitäten im rechten ventromedialen präfrontalen Kortex. Untersuchen legen außerdem nahe, dass Menschen, die einsam sind, anfälliger für psychische und physische Erkrankungen sind, ein schwächeres Immunsystem und Schlafprobleme haben. Wir sehen: Ausgrenzung und Einsamkeit haben keine tollen Folgen für die Betroffenen. Der Anthropologe und Zuhörexperte William Ury ist überzeugt, dass es weniger Konflikte und Kriege geben würde, wenn wir alle besser zuhören würden. In diesem Sinne: Fangen wir am besten heute noch bei uns selbst an.

Quelle und Inspiration:
Alle Übungen sind inspiriert durch den Kurs „Science of Happiness“ 
organisiert vom Greater Good Science Center der UC Berkeley

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