Was haben Mitgefühl und Freundlichkeit mit Glück zu tun?

Was haben Mitgefühl und Freundlichkeit mit Glück zu tun?

„He is kind to the kind, he is also kind to the unkind“ Laozi

Chinesisches SprichwortWas möchte uns Laozi mit diesem Spruch sagen? Nun ja, vielleicht möchte er uns daran erinnern, dass ein freundlicher, mitfühlender, respektvoller Umgang mit unseren Mitmenschen das Leben schöner machen kann. Nach dem Motto: sei freundlich, besonders zu unfreundlichen Personen. Ja, aber wie geht das?! Was soll das überhaupt bringen? Und außerdem: werde ich dadurch glücklicher? Dazu gleich mehr.

Freundlichkeit und Mitgefühl

Zu aller erst: nur Mut nicht nur buddhistische Mönche können in jeder Lebenslage freundlich und mitfühlend sein, sondern wir alle. Freundlichkeit und Mitgefühl können nämlich trainiert werden. Ja, denn es gibt speziell konzipierte Kindness- und Compassion-Trainings. Aber auch mit ganz simplen Übungen, wie zum Beispiel der Glücksübung „random acts of kindness„, die später noch vorgestellt wird, können wir unsere Freundlichkeit trainieren. Genauer gesagt bezeichnet man freundliches oder auch mitfühlendes Verhalten als prosoziales Verhalten. Dieses wird in Psychologie und Pädagogik als Verhalten, das positive Konsequenzen für andere Menschen hat und zu deren physischen und psychischen Wohlbefinden beiträgt, beschrieben. Wir tun also etwas für andere. Viele Forschungen und Studien weisen daraufhin, dass sich prosoziales Verhalten nicht nur auf den Empfänger, sondern auch auf den Geber positiv auswirkt. Kurz gesagt: auf uns.

Helfen macht Freude

Begünstigen Freundlichkeit und Mitgefühl für andere also unsere eigene Zufriedenheit und unser eigenes Glück? Erstaunlicher Weise: Ja. Es gibt viele Studien, die bestätigen, dass wir es wesentlich befriedigender finden, etwas für andere zu tun, als für uns selbst. Warum ist das so? Wenn wir anderen etwas Gutes tun, dann fühlen wir uns also selbst besser. Ist das verwerflich oder gar egoistisch? Oder einfach ein Kreislauf immerwährender Zufriedenheit? Da wir einerseits etwas für andere tun, uns gleichzeitig dadurch selbst besser fühlen.  Und überhaupt: Wieso fühlen wir uns dann eigentlich besser? Nun ja, es gibt einige neurowissenschaftliche Studien, die nahelegen, dass Freundlichkeit und Mitgefühl die Aktivitäten in unserem Gehirn beeinflussen. Unsere Gehirnaktivitäten haben wiederum Einfluss auf Körper, Geist und Seele, denn sie regulieren die Verarbeitung unserer Emotionen,  unsere Fähigkeit zu entspannen oder unsere Stressresistenz und Resilienz. Die Aktivitäten in unserem Gehirn haben also ganz schön viel Einfluss auf unser Wohlbefinden.

Nervus Vagus – der Allrounder

Neurowissenschaftlich? Ja, Anhänger der positiven Psychologie interessieren sich in diesem Zusammenhang besonders für den Nervus Vagus, den zehnten Hirnnerv. Dieser reguliert die Tätigkeit fast aller Organe. Er ist der größte Nerv des Parasympathikus, also jenen Bereiches in unserem vegetativen Nervensystem, der für Entspannung und Regeneration zuständig ist. Jeden Falles weisen Menschen, die Mitgefühl empfinden eine höhere Aktivität des Nervus Vagus auf – dies konnte mittels Studien festgestellt werden. Wie kann man herausfinden, ob jemand mitfühlt? Probanden wurden Bilder mit leidenden Personen gezeigt oder auch Tonmaterial von schreienden Babies vorgespielt, dabei wurde ihre Gehirnaktivität gemessen. Vagus, der Allrounder unter unseren Gehirnnerven reagiert übrigens auch auf zwischenmenschliche Kontakte und Meditation. Ja, genau, Meditation. Gehirnscans von buddhistischen Mönchen, die tausende Meditationsstunden absolviert haben, zeigen Veränderungen der Gehirnstrukturen – dies haben Davidson und Lutz in einer weiteren interessanten Studie zu Neuroplastizität und Meditation herausgefunden.

Wie wirkt Mitgefühl?

Wir sehen: Da tut sich einiges in unserem Körper, wenn wir mitfühlen. Tatsächlich: Mitgefühl beeinflusst unseren Körper, unser Gehirn und die Art, wie wir über uns selbst und andere denken. Das ist ziemlich beeindruckend. Aber, inwiefern führt Mitgefühl zu Gesundheit und Wohlbefinden? Wissenschaftliche Forschungen legen folgendes nahe: Mitgefühl und Empathie machen nicht nur sozialer und stressresistenter, sondern führen auch zu besserer Gesundheit. Ganz ähnliche Auswirkungen hat Freundlichkeit auf unser Leben:

  1.  Mitfühlende, freundliche Menschen sind weniger alleine und haben ein besseres Immunsystem (Post 2005)
  2. Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, haben weniger oft Schmerzerkrankungen oder Depressionen (Post 2005)
  3. Hilfsbereitschaft schützt vor Herzerkrankungen (Post & Neimark 2007)
  4. Ab einem Alter von 55 reduziert sich das Sterberisiko bei Menschen, die wohltätig aktiv sind, um 44 Prozent (Oman 1999)

Glücksübung Nr. 3: Einfach freundlich sein

Die dritte Glücksübung des Kurses „Science of Happiness“ basiert auf einer Studie von Sonja Lyubomirsky. Sie lud ihre Studenten dazu ein, an einem Tag in der Woche einfach fünf nette Dinge für unterschiedliche Personen zu tun – sogenannte „random acts of kindness“. Also Nichts heroisches oder außergewöhnliches, vielmehr geht es dabei um kleine Höflichkeiten und Hilfsbereitschaften im Alltag. Dabei mussten die Studenten ganz genau aufschreiben, was sie getan haben und wie sie sich dabei selbst gefühlt haben. Danach wurden die Daten der Studenten ausgewertet. Das Ergebnis war ganz klar: Wer anderen etwas Gutes tut, fühlt sich danach selbst besser. Die Übung kann jeder ausprobieren:

  1.  Suche dir einen Tag aus, an dem du ganz bewusst fünf nette Dinge für unterschiedliche Personen tust.
  2. Notiere folgendes: Was hast du getan? Wie hat die Person reagiert? Wie hast du dich währenddessen bzw. danach gefühlt?
  3. Kannst du dieses Gefühl in deinem Körper orten?

Just kind…

Was genau es bedeutet, etwas Nettes für eine andere Person zu tun, ist oftmals Definitionssache. Das kann eine Geldspende an einen Obdachlosen sein, jemanden im Supermarkt an der Kassa vorlassen oder einfach einen Platz in der U-Bahn anbieten. Ehrlich gesagt: Ich habe es gar nicht so leicht gefunden pro Tag ganz bewusst fünf nette Dinge für eine andere Person zu tun. Viele Freundlich- und Höflichkeiten sind antrainiert und gar nicht authentisch. Deswegen habe ich die Übung über mehrere Tage verteilt gemacht – das ist bestimmt auch in Ordnung. Einen größeren Glücks-Boost hat man vermutlich jedoch, wenn man alles an einem Tag erledigt. Was ich besonders spannend fand, war die Selbstbeobachtung. Ich habe tatsächlich ganz bewusst die Dankbarkeit und Freude der anderen Personen erlebt. Diese hat sich wiederum gut auf mich ausgewirkt. Ich habe mich einfach gefreut, dass ich anderen Menschen eine Freude machen konnte. Und irgendwie habe ich mich auch mehr verbunden gefühlt. Es ist ja eigentlich sehr simpel. Aber wir sehen: es ist effektiv.

Quelle und Inspiration:
Alle Übungen sind inspiriert durch den Kurs „Science of Happiness“ 
organisiert vom Greater Good Science Center der UC Berkeley

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